Traumzeit Festival 2011 - Tag Drei
Eine Frau am Bass - Burmesen und Europäer vereint - Hauptstadt-Dandys und Drumfeuerwerk - Der Sonntag bei der Traumzeit.
Igmar Thomas & The Cypher, das sind Trompetenklänge von Igmar Thomas, Ezra Brown am Saxophon, Dana Hawkins am Schlagzeug, Earl Travis am Bass und Lawrence Fields am Piano. Die aus den USA stammenden Musiker spielen komplexen Jazz, bei dem man die Arme in die Luft reckt und mit dem Kopf nickt. Denn mit special guest Raydar Ellis stürmt ein Rapper die Bühne, der für jede Menge Bewegung sorgt.Raydar Ellis hat bei seinem Auftritt einbreites Grinsen im Gesicht und verströmt gute Laune: "When i say 'Can i kick it?' you say 'Yes, you can!" Natürlich kann er. Er verlässt die Bühne und läuft durch die erste Reihe des Publikums in der Gießhalle. Igmar Thomas & The Cypher plus Raydar Ellis überwinden Grenzen, nicht nur musikalische! :-)
Um 18: 15 Uhr kommt Esperanza Spalding auf die Bühne in der Kraftzentrale. Der Auftritt, präsentiert von RWE ist sicherlich eines der absoluten Highlights der diesjährigen Traumzeit. Sie ist klein und zierlich. Der Bass ist ein gutes Stück größer als sie, sie scheint hinter ihm zu verschwinden. Doch sie beherrscht das wuchtige Instrument so gut, dass ihre spielerische Leichtigkeit ihn kleiner erscheinen lässt. Mit Unterstützung von Geige, Bratsche, Cello, Schlagzeug und Klavier, sowie Leala Cyr als Chor erfüllt die Amerikanerin die Kraftzentrale mit wunderchönem Gesang und warmer Stimme, wobei sie wie wild in freier Improvisation durch die Oktaven schnellt nur um im nächsten Stück wieder poppig-verträumt zu klingen. Wie sie mit ihren Ansagen in die nächsten Stücke "hineinsingt" ist zauberhaft. Man ist wie gebannt bei ihrem Auftritt.
In der Gießhalle kommt es zum großen Abschlusskonzert des Myanmar-Schwerpunktes der Traumzeit 2011: Myanmar meets Europe. Tim Isfort dankt allen Unterstützen, die das Projekt möglich machten: Daphne Wolf (die in Myanmar lebt, die Musik dort studiert und geholfen hat, die Instrumente zu exportieren, sie hilft bei der Traumzeit auch als Übersetzerin), dem Goethe-Institut, der deutschen Botschaft in Myanmar und Olaf Reifegerste aus dem Festivalbüro, der ein schönes Erlebnisprogramm für die Burmesen zusammengestellt hat. So erfahren wir, dass sie auch SChnitzel mit Sauerkraut gegessen haben. Auch erfahren wir in dem Zusammenhang, den wir jetzt nicht weiter verfolgen, das "Toilette" in Myanmar "Das schöne Haus" heißt! :-) Nachdem das Eröffnungsstück gespielt wurde ("Das kann bei burmesischen Festen schon mal eine Stunde lang gehen, das wollten wir Ihnen dann heute nicht zumuten.", Trompeter Markus Türk) gab es ein Stück aus einem burmesischen Film. Ein sehr schnelles Stück bei dem man über die Leinwand verfolgen kann, mit welcher Kunst- und Fingerfertigkeit die exotischen Instrumente gespielt werden. Wie gut diese zu den hiesigen westlichen Instrumenten passen, wird bei dem Zusammenspiel dieses Konzertes deutlich. Gitarrem Klavier, Schlagzeug - all das kommt in der traditionellen burmesischen Musik nicht vor. Hier enstand ein ganz neuer Sound, voller Energie und Kreativität. Ost und West ergänzten sich prächtig und führten zu einem erstaunlichen Klangerlebnis. Europe meets Myanmar - hoffentlich nicht zum letzten Mal.
Alec Empire kommt aus Berlin und Patrick Wolf aus London. In Duisburg auf der Traumzeit finden sie sich für ein Konzertschauspiel der Extraklasse zusammen.Ein bollerndes, donnerndes Intro in den Kraftzentrale führt in den exzentrischen Gesang Patrick Wolfs. Exzentrisch ist das Adjektiv für den Multiinstrumentalisten aus England. Ihn hält es nicht auf einem Platz. Er schnappt sich sein Mikro, springt über die Wohnzimmerbühne, singt aus dem Sessel, kippt Stühle um...Überhaupt hat es ihm die ganze Theater-Dekoration sehr angetan. Vor allem die Tür-Attrape, die er umwirft, sich dort hineinlegt, um von dort weiterzu singen. Auch hüpft er auf seinen schwarzen Flügel und lässt ihn daruch erklingen, dass er mit den Hinter auf die Tasten hüpft. Währenddessen sorgt Alec Empire für druckvolle Sounds. Er schraubt und dreht meisterhaft an seinen Musik-Werkzeugen. Es klingt nach Elektro-Punk und auch nach Techno, auf jeden Fall clubtauglich und tanzbar!
Das Abschlusskonzert (es erfüllt uns mit Wehmut!) geben hundreds. Das Geschwister-Duo hat sich Unterstützung mitgebracht. Unter anderem Tim Neuhaus (der am Nachmittag auch auf der Bühne am Gasometer auftrat) am Schlagzeug. Hundres bieten Elektropop mit jede Menge Schlagbeat. Die Drums zwingen einfach zum tanzen. Auch Sängerin Eva tanzt wie ein Derwisch über die Bühne zwischen ihren Gesangseinlagen. So ist sie bei ihren Ansagen ganz schön außer Atem. :-) Sie besticht durch wunderschönen kühl-eindringlichen Gesang, der an Beth Gibbons von Portishead erinnert. Melancholisch, sehnsüchtig und doch hoffnungsvoll - wunderbar. Ein perfekter Abschluss für drei tolle Tage Traumzeit!
Wir danken jetzt schonmal allen Besuchern, Künstlern, Organisatoren, Sponsoren und Helfern, die die Traumzeit 2011 wirklich eine traumhafte Zeit werden ließen!!! Wir freuen uns auf das nächste Jahr!
















